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Die 44. Tagung

Die 44. Tagung der Landsmannschaft der Banater Schwaben

Franz Pellinger, Anton Hans, Franz Wesser, Josef Watz
Franz Pellinger, Anton Hans, Franz Wesser, Josef Watz

Einmal im Jahr treffen sich alle Landes- und Kreisverbände und die Heimatortsgemeinschaften in der Landsmannschaft der Banater Schwaben in ihrem eigenen Donauschwabenhaus in Frankenthal in der Pfalz. So diesmal auch am 23. und 24. März.

Je näher ich meinem Ziel kam um so mehr stieg die Spannung in mir. Ich war nämlich das erste Mal dabei und wusste nicht was mich erwartet. Gibt’s einen Dresscode, duzt oder siezt man sich? Lauter offene Fragen.

Angekommen im Donauschwabenhaus trete ich ein und traue meinen Augen nicht. Die Leute kommen mir sehr bekannt vor. Woher bloß kenne ich sie? Es dauerte ein Weilchen, bis ich merke, ich kenne hier niemanden aber dieser Typus Mensch kommt mir bekannt vor. Das sind alles SCHWOWE vom guten Essen wohlgenährt, üppig im Verhalten und nicht zu überhören.

Ich finde meinen Platz neben den Freunden aus Neuarad und Kleinsanktnikolaus und wir lauschen den vielen abendfüllenden Beiträgen. Der Abend zog sich in die Länge und wollte nicht enden. Dazu ein Zitat des unvergesslichen Karl Valentin: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“.

Ein Beitrag war, zumindest für mich, hoch interessant: „Doppelte Identität – Die Banater Schwaben und ihre vergessene französische Geschichte“. Referent Ernst Meinhardt aus Berlin. Natürlich auch er ein SCHWOB. Ernst Meinhardt hat an Hand dreier Gemeinden aus dem serbischen Banat deren Einwohner größtenteils aus dem heutigen Frankreich stammten die deutsche und französische Siedlungsgeschichte dargestellt. Sehr interessant und zuweilen auch lustig durch die Veranschaulichung der verdeutschten französischen Namen.

Das französische Idiom ist letztlich im Laufe der Zeit in der deutschen Majoritätskultur aufgegangen. Lediglich die Familiennamen erinnerten noch an eine französische Herkunft.

In einem Punkt bin ich mit Ernst Meinhardt nicht einverstanden. Die Auswanderer aus dem Elsass und Lothringen waren mitnichten alle Franzosen. Das waren größtenteils Elsässer und Lothringer, die einen deutschen Dialekt sprachen und kulturell zum deutschen Sprachraum gehörten.

Frankreich versuchte, seine zwischen 1633 und 1697 durch Vertrag und Annexion einverleibten Gebiete des Elsass und Lothringens, per Romanisierung die „deutsche“ Identität durch eine französische zu ersetzen. Natürlich geht sowas nicht über Nacht und es bedarf mehrerer Generationen bis Identitäten erloschen sind. Ich erinnere mich an eine Reportage des SWR, Ende der 1970er Jahre, wo es um die deutsche Sprache im Elsass ging. Da hatte ein älterer Herr, ein Straßburger, sich beklagt das in Straßburg die alten deutschen Straßennamen sukzessive durch französische Straßennamen ausgetauscht werden. Demnach war der Romanisierungs- bzw. Assimilierungsprozess noch nicht abgeschlossen.

Wie beim Madjarisierungsversuch bei den Banater Schwaben, wo der Franz zum Ferenc wurde, so wurde im Elsass und in Lothringen der Franz zum François. Die französische Schreibweise machte natürlich an den Familiennamen nicht Halt. Deswegen wäre eine detaillierte Betrachtung der Namensherkunft sinnvoll gewesen. Dann wäre das Ergebnis historisch korrekt.

Nach dem Samstagsmarathon und dem Sonntagvormittag kann ich die Note „gut“ für die Tagung vergeben. Sie war sehr interessant und bereichernd. Ein ganz großes Dankeschön an den Chor für seine gesangliche Darbietung und an die Theatertruppe für den äußerst gelungenen Dreiakter.

Ein Punkt bleibt für mich unbeantwortet:

  1. Ich weiß dass man nur wohlorganisiert und mit großer Anhängerschaft etwas im politischen Alltag erreichen kann. Dafür ist die Existenz der Landsmannschaft der Banater Schwaben bestens legitimiert.
  2. Wir wissen auch, dass das Banat als Lebensraum für uns Deutsche verloren gegangen ist und die emotionale Bindung an die alte Heimat eine relativ kurze Halbwertzeit hat. Nach dem Ableben der im Banat Geborenen, wird der Aufwand, um die Erinnerung und das Interesse an die alte Heimat wach zu halten, immens groß sein. Ich zweifle ob das funktionieren wird.

Deshalb meine Frage: Was könnte ein definiertes, zukünftiges Ziel für die Bemühungen unserer landsmannschaftlichen Organisationen sein? Der Aufwand, der hier z.T. betrieben wird, ist ja nicht gerade unerheblich.

Übrigens wussten Sie, dass die Melodie zur Banater Hymne von Joseph Hayden stammt und auch gleichzeitig die Hymnenmelodie des Vereinigten Königreichs und Nordirlands ist?

Josef Watz

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Elsass

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